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Das Bezugspflegekonzept

Unser Bezugspflegekonzept gilt den zu versorgenden und zu pflegenden Menschen. Handlungen daraus stehen unter der Wahrnehmung seiner ganzheitlichen und individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Diese zu beachten und zu berücksichtigen ist unsere Verpflichtung.

Die Vermittlung und Umsetzung des Bezugspflegekonzepts im Sinne des Ganzheitsprinzips erfolgt durch die Anwendung der reaktivierenden Pflege. Einen Menschen reaktivierend zu pflegen heißt, seine Persönlichkeit zu respektieren und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Mit diesem Ansatz orientiert sich das pflegerische Handeln an den Bedürfnissen des älteren Menschen. Die Pflege wird ihm sozusagen „beigestellt“; sie unterstützt und begleitet ihn in seinem Alltag.

Bedürfnisorientierung bedeutet auch, dass man sich mit den Ursachen und der Einschätzung von Pflegebedürftigkeit auseinander setzt. Die Pflegenden haben die veränderten Bedürfnisse des zu Pflegenden im Blick, die durch eine Erkrankung, Behinderung und/oder veränderte Lebenssituation entstanden sind. Dabei hat die erhaltene (Rest)Kompetenz eine besondere Bedeutung. Das bedeutet, dass z.B. eine interlektuelle Störung oder eine andere Teilleistungsschwäche, Ausgangspunkt für eine darauf abzielende Pflegeplanung ist. Das Ziel hierbei besteht darin, die Teilleistungsschwäche zu kompensieren, zumindest aber einem weiteren Verlust an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung vorzubeugen.

Kompetenzorientierung ist der Ausgangspunkt für einen pflegerischen Prozess, der mit der Pflegeanalyse (Ist-Zustand) den Ausfallbereich beschreibt, dann Pflegeziele formuliert und, einem ganzheitlichen Pflegeplan folgend, im Alltag umgesetzt wird. Um diesen anspruchsvollen Zielen gerecht werden zu können, ist es notwendig, die Bezugspflege einzuführen. Darunter verstehen wir, dass eine oder mehrere Mitarbeiter/innen kontinuierlich (vom Einzug eines/r Bewohner/in bis zum Lebensende bzw. Aufenthaltsende im Pflegezentrum) einen älteren Menschen begleitet/begleiten. Diese Kontinuität gibt Sicherheit und Vertrauen. Durch die Einbindung mehrerer Mitarbeiter/innen in den Pflegeprozess entsteht ein Konzept mit erweiterten Sichtweisen und einem ganzheitlichen Ansatz.

Im Rahmen einer Bezugspflege folgt das pflegerische Vorgehen einem individuellen Plan im Sinne des Pflegeprozesses. Der „Pflegeprozess“ ist eine Methode, nach der die Pflege organisiert wird. Nach der Definition der WHO beinhaltet dieser Prozess folgende vier Schritte:

  • Einschätzung der Pflegesituation
  • Planung
  • Durchführung und
  • Auswertung der Pflegemaßnahmen

Eine unverzichtbare Voraussetzung für eine effiziente gerontopsychiatrische Pflege ist die Kenntnis biographischer Daten und Lebensumstände, weil erst sie die Möglichkeit erschließt, den Menschen in seiner sozialen Rolle und in seinen interpersonellen Bezügen zu „erleben“. Durch Detailwissen über menschliche Schicksale kann der Aufbau einer Pflegebeziehung gelingen, die es den Pflegenden ermöglicht, Problemsituationen bei der täglichen Arbeit abzumildern. Z.B. entlastet das Wissen um Kränkungen und Enttäuschungen die Pflegebeziehung und erleichtert die Arbeit. Warum ein Betroffener in einer bestimmten Situation unruhig wird oder sich in seine „Verwirrtheit“ zurückzieht, wird oft nur aus der Kenntnis der Lebensgeschichte verständlich.

Vielfach entstehen Probleme im Pflegealltag durch eine ungünstige Arbeitsorganisation, welche den Anforderungen und Bedürfnissen älterer (kranker) Menschen nicht gerecht wird. Diese Störungen aufzuspüren und abzubauen, gehört ebenso zu den Aufgaben von Bezugspflegekräften. Im Pflegezentrum werden Bezugspflegeteams gebildet. Für gerontopsychiatrisch Erkrankte gehören zum Bezugspflegeteam:

1. Pflegefachkraft
2. Präsenzmitarbeiterin
3. Pflegeassistent/in

Alle Mitarbeiter/innen arbeiten eng zusammen. Unterstützt werden diese durch die Mitarbeiter des sozialen Dienstes. Sie verfolgen die gesetzten Ziele gemeinsam.

In der Planung des Pflegeprozesses übernehmen die Bezugspflegekräfte folgende Aufgaben:

  • Informationssammlung
  • Gezielte Sammlung biographischer Daten mit Hilfe des Biographievordrucks
  • Vorstellung im Team
  • Pflegeanamnese nach AEDLs
  • Mini-Mental-Status-Test;
  • Gerontopsychiatrischer Erhebungsbogen

Die Informationssammlung beginnt mit der Heimanmeldung, spätestens mit dem Heimeinzug, und sollte im wesentlichen in zwei bis drei Wochen nach dem Einzug abgeschlossen sein.

  • Pflegeprozessplanung nach AEDLs

Diese Aufgabe soll spätestens vier Wochen nach dem Heimeinzug erledigt sein. Auswertung der Pflegeprozessplanung.

  • Führen der Trink- und Nahrungsprotokolle
  • Berichteblattzusammenfassung
  • Dekubitusrisikoeinschätzung
  • Sturzrisikoeinschätzung

Die Auswertung sollte möglichst in kurzen Abständen erfolgen (mindestens alle 8 – 10Wochen).

Im Rahmen der Bezugspflege hat der/die PflegeassistentIn noch folgende zusätzlicheAufgaben:·

  • Umfeldpflege – Milieugestaltung

Ist das Zimmer wohnlich/gemütlich? Werden bei der Gestaltung die krankheitsbedingten Besonderheitenberücksichtigt? Sind Orientierungshilfen – Kalender, Uhren und persönliche Gegenstände –vorhanden? Ist die Kleidung in Ordnung?·

  • Versorgung mit Inkontinenz- und Kosmetikartikeln z.B.

Werden Körperpflegeartikel nach biographischen Gesichtspunkteneingesetzt?· Überprüfung und Kontrolle der eingesetzten Hilfsmittel und Materialien.

Alle  Bezugspflegekräfte stimmen sich in ihrem pflegerischen Handeln, sowie in der Kontaktpflege zu den Angehörigen ab. In der täglichen Arbeit pflegen/betreuen die Bezugspflegekräfte stets die ihnen zugeordneten Bewohner/innen und selbstverständlich auch andere Bewohner/innen –je nach Personalbesetzung. Die Bezugspflegekräfte haben darauf zu achten, dass andere Mitarbeiter/innen sofort in der Lage sind, die Pflege der Bezugsperson zu übernehmen. Die Bezugspflegekräfte informieren in der Übergabe das Pflegeteam über die Pflegeziele und -maßnahmen bei den ihnen zugeordneten Bewohner/innen, damit zielgerichtetes und einheitliches Handeln möglich ist. Die Bezugspflege beginnt mit dem Einzug des/der Bewohners/in und endet mit seinem/ihrem Tod bzw. dem Auszug aus dem Pflegezentrum.