Aktuelles von uns

10.08.2010

Als ich Frau K. das erste Mal gesehen habe, dachte ich nur: „Die arme Frau“.

Ich hatte Angst, sie zu berühren bzw. sie zu pflegen. Ich hatte Angst, Ihr weh zu tun, da sie mir auch nicht sagen konnte, wenn ich ihr Schmerzen zufüge oder etwas falsch mache.

Doch mit der Zeit konnte ich an ihr feststellen, was in Ordnung ist und was nicht.

Obwohl sie nichts sagen konnte, man also kein Gespräch aufbauen konnte, bekam man eine sehr starke Bindung zu ihr.

Ich fühlte mich nicht mehr so ängstlich sondern freute mich, sie zu sehen.

Doch irgendwann ging es ihr immer schlechter, jeder hat mit Frau K. gelitten. Schließlich hatte man sie lieb gewonnen, auch ist sie ein Teil meines Lebens geworden. Bei jedem Gang in ihr Zimmer musste ich erstmal schlucken und meine Tränen versuchen zu unterdrücken. Doch irgendwann konnte ich das einfach nicht mehr und das war auch in Ordnung. Man darf zeigen, das man traurig ist!

Für sie war es schwer, sie musste sich quälen und ich wusste, dass es eigentlich das Beste für sie wäre einzuschlafen, doch sie nie wieder zu sehen, machte mich traurig. Immer wenn ich Zeit fand, ging ich zu ihr ins Zimmer und jedes Mal tat es unglaublich weh, aber ich wollte sie sehen und ihr zeigen, dass ich da bin.

Als ich das letzte Mal hineinkam, saß meine Kollegin bei ihr am Bett und machte mir verständlich, dass Frau K. in ihrer letzten Lebensphase war.

Meine Kollegin fragte mich, ob ich im Zimmer bleiben möchte und mir war sofort klar, dass ich Frau K. begleiten möchte.

Ich hatte sie so lieb gewonnen. Außerdem hatte ich versucht, sie so gut es ging zu pflegen und ihr ein schönes Leben zu bieten, dass mir sofort klar war, dass ich diesen letzten Schritt auch mit ihr gehen möchte.

Ich habe ihre Hand genommen und konnte schon merken, wie kalt und ruhig sie wurde. Ich konnte meine Tränen einfach nicht mehr halten, als meine Kollegin mir sagte, dass sie es geschafft habe.

Ich war traurig, doch zugleich wusste ich, dass es das Beste für Frau K. war. Es war sehr schwer, die ganzen Gefühle, die mir durch den Körper gingen, zu verarbeiten. Meine Kollegen sowie meine Arbeitgeber waren für mich da und haben mich aufgefangen.

Mit der anschließenden Beerdigung konnte ich ganz und gar für mich damit abschließen. Ich konnte mich noch einmal verabschieden, auch wenn es noch wehgetan hat.

Ich bin stolz, sagen zu können, dass ich einen Menschen begleitet habe und die Sicherheit geben konnte, nicht allein zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Angst dazu gehört sowie auch Trauer.

Man sollte weinen können. Wenn man dies nicht mehr kann, sollte man einen anderen Beruf wählen.

Ich habe nun meine zweite Begleitung gemacht und ich war wieder sehr traurig. Ich weiß nun aber, wie ich mit den Gefühlen und auch der Trauer umzugehen habe.

Es ist sehr wichtig, zu reden. Man sollte nicht alleine versuchen, die Trauer zu bewältigen.

Auf diesem Weg einen großen Dank an meine Kollegen und Arbeitgeber!