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Sterben heißt Leben

Wo waren wir, bevor wir geboren wurden?

Wir erinnern uns nicht.

Wie lange besteht die Welt?

Wann war der Urknall?

Uns Menschen gab es in dieser ganzen Zeit nicht.

Eine Zeit, die für mich nicht messbar ist.

Die Jahrtausende vergingen ohne mich.

Dann wurde ich geboren:

Renate, Jahrgang 1966.

In ein Leben ohne Wahl.

Mein Elternhaus habe ich mir nicht ausgesucht.

Ein Leben gemessen an Jahreszahlen.

Wie schnell wird das Kind zur Frau. Wie schnell werden wir alt.

Ab 40 merke ich, wie schnell die Zeit vergeht. Noch einmal 40 Jahre

- und was kommt dann?

Ist Alter gleich Krankheit und Tod?

Wenn ich gestorben bin, gehe ich dann dahin zurück,

wo ich vor meiner Geburt war: ins Nichts?

Wir wissen es nicht.

Nach unserer Geburt sorgen unsere Eltern für uns hilflose Säuglinge.

Wer sorgt im Alter für uns, wenn wir hilflos sind?

Wenn meine Kinder ihr eigenes Leben leben

und mein Mann mit mir alt geworden ist?

Wir sind die Gestalter unseres Lebens

- sind wir auch die Gestalter unseres Sterbens?

Ja!

Wir könnten es sein, wenn wir in unser Leben

dem Sterben einen Platz geben würden.

So sicher, wie morgen die Sonne aufgeht, so sicher muss ich sterben.

Deswegen bin ich selbständig - für meinen Mitmenschen da sein

- ihn in seiner letzten Lebensphase begleiten -

vielleicht seine Hand halten.

Nach meinem Leben bin ich wieder weg - wie vor meiner Geburt.

Erhalte ich Antworten auf meine Fragen nach meinem Tod?

Ich werde sehen.

Die Antwort auf diese Frage kommt zuletzt,

dann, wenn ich wieder weg bin.

Wenn ich lebe nach dem Sterben.

Renate Ohlenburg